Sorbische Traditionen

Einige der sorbischen Traditionen gibt es tatsächlich nur hier. Andere wiederum sind christlichen Ursprungs und daher ähnlich denen in anderen Gegenden. Doch auch die sorbischen Traditionen erstrecken sich oftmals nicht über die gesamte Lausitz. Selbst benachbarte Orte können Unterschiede haben. Daher ist diese Übersicht nur ein kleiner Ausschnitt. Es geht um die Bräuche, die auch in Drachhausen noch gepflegt werden. Die Hintergrundinformationen sind ebenfalls nur angerissen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Vogelhochzeit

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Ende Januar wird in der Lausitz die Vogelhochzeit gefeiert. Früher stellten die Kinder am Vorabend Tellerchen auf das Fensterbrett und fanden am nächsten Morgen beispielsweise ein kleines Gebäck in Form von Vögeln oder Nestern darauf, die sogenannten "Sroki". Es war der Dank der Vögel für die Winterfütterung.

In vielen Kindergärten und Schulen der Region tragen die Braut und der Bräutigam oft eine Festtags- oder Hochzeitstracht, die anderen Kinder verkleiden sich als Vögel. So wird gemeinsam die Hochzeit von Elster und Rabe gefeiert. Der genaue Ablauf ist dabei nicht festgelegt. Jeder Kindergarten feiert dieses Fest auf seine eigene Weise.

 

Das Sorbische National-Ensemble gibt zu der Zeit ebenfalls Theateraufführungen an verschiedenen Spielstätten sowohl in der Niederlausitz als auch in der Oberlausitz, in denen sie das Thema der Vogelhochzeit aufgreifen.

Zapust

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Der Zapust - auch Fastnacht genannt -  stellte traditionell das Ende der Spintezeit dar. Im Winter trafen sich die jungen Mädchen des Dorfes am Abend, um gemeinsam zu spinnen und andere Handarbeiten zu verrichten. Am Ende dieser Zeit gab es einen Tanzabend.

 

Heutzutage trifft sich die Jugend zu einem Umzug durch das Dorf. Die Mädchen tragen dabei die Festtagstracht. Mit Musik und Tanz kehren sie bei Bürgermeister und Unternehmern ein. Begleitet werden sie dabei auch von den anderen Dorfbewohnern und Gästen. Den Abschluss bildet der Tanzabend im Gasthaus.

Zampern

Zampern in Drachhausen

Das Zampern gehört zur Fastnacht dazu. Wahrscheinlich ist es sogar noch älter als eben diese.

Ursprünglich sollen junge Burschen durch den Wald gelaufen sein und als Bär oder Schimmelreiter Verkleidete, die den Winter symbolisierten, gejagt haben, um eben diesen zu vertreiben. Anschließend zogen sie durch das Dorf und erbaten sich Eier und Speck.

Heute zieht die Jugend bunt verkleidet mit Blasmusik von Tür zu Tür und erhält ebenfalls Eier und eine kleine Geldspende. Zum Dank gibt es ein Schnäpschen und einen Tanz für die Bewohner des jeweiligen Hauses.

Auch Kinder und verheiratete Paare haben mittlerweile eigene Fastnachtsumzüge und gehen Zampern.

In Drachhausen werden diese Ereignisse nacheinander gefeiert, so dass traditionell eine Woche lang fast komplett durchgefeiert wird.

Ostern

Sorbische Ostereier können kleine Kunstwerke sein. Mit zurechtgestutzten Federn wird Wachs in verschiedenen Mustern aufgetragen. Je kleiner dabei die einzelnen Elemente, desto filigraner wirken die Symbole. Wer diese Art des Eierverzierens schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass eine ruhige Hand und jede Menge Ausdauer nötig sind, um die Fläche eines Eis zu schmücken.

In der Osternacht werden auch hier Osterfeuer entzündet. In Drachhausen gibt es aber nicht nur ein großes, zentrales. Viele Gruppen finden sich zusammen, um gemeinsam die Osternacht zu verbringen. Daher tauchen unzählige Feuer das ganze Dorf in einen Feuerschein. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde auch viel Schabernack in dieser Nacht getrieben. Da es aber immer öfter auch juristische Konsequenzen hatte, gibt es diese Späße mittlerweile kaum noch.

Am Ostermorgen findet in Drachhausen seit vielen Jahren der Gottesdienst in aller Frühe statt. 

Das Osterlicht wird in die dunkle Kirche getragen und dann weiter gegeben, bis die Kirche von den vielen Kerzen erleuchtet wird. Während des Gottesdienstes geht die Sonne auf und bringt die bunten Fenster im Altarraum zum Erstrahlen. Auch die Bläser, die schon seit einigen Jahren in der Kirche die Botschaft verkünden, tragen zu einem ergreifenden Gefühl während dieses Gottesdienstes bei, dem viele Menschen auch aus den umliegenden Gemeinden beiwohnen.

Kokot

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Der Kokot - meist eher Hahnrupfen genannt - ist der Erntebrauch in Drachhausen. Es gibt bei den Sorben verschiedene Varianten, doch der häufigste in dieser Gegend ist das Hahnrupfen. Dabei wird, genau wie der Name es vermuten lässt, der tote Hahn von tollkühnen Reitern geradezu gerupft. Er gilt als Symbol für eine ertragreiche Ernte, daher wurde früher der älteste Hahn des Dorfes dafür genommen. Die jungen Mädchen tragen dabei die wendische Festtagstracht.